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Dienstag, 19. Februar 2019

Nürnbergs einziger Straßenbahntunnel (heute)

Das Modell eines Straßenbahntunnelsystems (das andere Großstädte aufweisen) oder anders gesagt, einer Unterpflaster-Straßenbahn, hätte, statt des sträflich sündhaft teuren und inkompatiblen U-Bahn-Systems, Schule machen sollen. Das heute noch erkennbar einzige Anschauungsbeispiel bietet sich in Nürnberg am Südende der Allersberger Straße.

Die damals dreifach verzweigte Unterpflasterstrecke ging bereits 1938 in Betrieb. Die Nazis mussten die Trassenänderung vornehmen, um die von ihnen eigentlich ungeliebte, aber notwendige Straßenbahn um die neue SS-Kaserne herumzuleiten.

Entlang der Frankenstraße von Westen verlief ab der Ingostraße die Straßenbahn in einem Tunnel unter der Allersberger Straße hindurch, vereinte sich unterirdisch mit dem zweiten Tunnel, der von Norden aus entlang der Allersberger Straße ab Höhe Tristanstraße verlief. Vierspurig ging es ab dann unter dem heutigen Hiroshimaplatz bis zur heute immer noch tiefliegenden Haltestelle Bayernstraße an der Nordwestecke Frankenstraße/Münchner Straße. Von dort aus führte unter der Frankenstraße hinweg entlang der Westseite der Münchner Straße ein dritter Tunnel, der aber auf der Höhe Ingolstädter Straße schon endete, Die beiden Linien aus der Frankenstraße und der Allersberger Straße fuhren dann oberirdisch weiter zur Bauernfeindstraße und in einem Schwenk bis zum Stadion.

Die alte Trasse war damit obsolet. Die Allersberger Straße führte bis 1938 samt der oberirdischen Straßenbahnlinie ab der Frankenstraße geradeaus nach Süden weiter, weil keine SS-Kaserne bis dahin im Weg stand. Ein Links-Schwenk (politisch selten zu jener Zeit in Deutschland) brachte die Linie zu den heutigen Nummernweihern, die damals Teil des alten Tiergartens waren

Die Tunnelröhren gibt es alle drei immer noch. Der Tunnel von der Ingostraße ist mangels Schienen-Anschluss (entlang der Frankenstraße gibt es seit 1972 keine Trasse mehr) stillgelegt. Im ebenfalls damals wegen Abbau der Schienen zur Bauernfeindstraße stillgelegten Tunnel zwischen Frankenstraße und Ingolstädter Straße parken historische Schienenfahrzeuge.

Kartenausschnitt aus Wikipedia
1938:


und heute:

Ende 2010 wurde der letzte Tunnelteil von der Allersberger Straße zur jetzigen Wendeschleife ebenfalls gesperrt, allerdings nur für den Fahrgastbetrieb. Nur den Straßenbahnfahrern ist die Durchfahrung zum Wenden der Bahnen als Betriebsfahrt zumutbar. Neue Endhaltestelle ist jetzt die Haltestelle Tristanstraße. Begründung ist eine angebliche Baufälligkeit und fehlende Schutzräume im Tunnel. Dies kann aber gar nicht so schlimm sein auf der kurzen Distanz, sonst wären drastischere Maßnahmen ergriffen worden. Dahinter stecken übervorsichtige EU-Richtlinien, die man, um sich in alle Richtungen abzusichern, unbedingt oberpenibel umsetzen will .. 

Wegen der bald entstehenden neuen Stadtteils an der Brunecker Straße südlich der Kaserne ist die Linie wieder in den Blickpunkt gerückt. Ob der Tunnel saniert und für eine Streckenführung genutzt werde kann oder soll - oder ob alles neu strukturiert und oberirdisch gebaut werden soll, ist noch nicht abschließend geklärt. In jedem Fall müssen (Achtung: Wortspiel!) falsche Weichenstellungen aus den 70er-Jahren nun teuer korrigiert werden.

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an der Tristanstraße müssen alle Fahrgäste raus

ab dann muss der Fahrer allein an der Allersberger Straße unter die Erde zur Wendeschleife

nach einer unterirdischen Fahrt kommen die Schienen vierspurig auf einem Betriebsgelände am Südring/Frankenstraße wieder heraus - jetzt sind die Trassen aus beiden Tunnelteilen (Frankenstraße = westlich und Allersberger Straße = nördlich vereint


der tiefliegendeTeil ist, abgesehen von vereinzeltem Dienstfahrten-StraBa-Verkehr, eine ruhige grüne Insel





auf der anderen Seite der "Insel" ist die Wendeschleife


hier wartet die Bahn eine Weile bis zur nächsten Runde





nur über diesen Weg ist das Betriebsgelände mit dem Auto zu erreichen

eine Treppe führt auf den Südring, wo auch eine Bushaltestelle ist

an der Südostecke der "Insel" sieht man einen Verschlag und alte Schienen, was auf den dritten verwaisten Tunnelteil (mit den historischen Bahnen im Bauch) nach Süden hinweist. 



Wer die Frankenstraße überquert und bis zur Ingolstädter läuft, der sieht, wo der Tunnel an der Münchener Straße endet.


von hier aus ging es früher oberirdisch bis zur Bauernfeindstraße